Turin, Hauptstadt des guten Geschmacks

Von der Schokolade zu den Grissini, von den berühmten "ersten Gängen" zu den weltweit exportierten DOC-Weinen (kontrollierte Herkunft): eine Stadt des Gourmets öffnet ihre Tore.

 
 

Man enthüllt wirklich kein Geheimnis wenn man behauptet, daß Turin eine der Hauptstädte der Welt für kullinarische Köstlichkeiten sei. Turin erfreut sich jeher einer Tradition an Weinen und Kochkünsten, die es international berühmt machte, sowohl wegen der oft einzigartigen Zutaten der Gerichte wie z.B. die Trüffel, als für die handwerkliche Fertigkeit (die fast schon Kunst ist) ihrer Chefköche, Kuchenbäcker und Schokoladenhersteller. Ein Triumpf der Qualität, der sich beim Übergang von handwerklicher auf inustrielle Herstellung nicht verändert.

Wer gern Schokolade mag, kann in Turin seine Wahlheimat finden. Die Schokoladenherstellung begann gerade in der Hauptstadt der Savoyer: mit einem königlichen Dekret genehmigte Madama Reale 1678 die Herstellung, die schon damals zum Großteil für den Export bestimmt war.

Die typische Praline "gianduiotto", eine Mischung aus Kakao und Haselnüßen, stammt aus dem XIX. Jh. Aber Cremini, Alpini mit Likör und verschiedene andere Pralinentypen - die in der Zwischenzeit ebenfalls zur Tradition wurden - machen eine Wahl der Süßigkeiten schwer.

In Turin bietet sich die Schokolade auch als Getränk an: außer einer Tasse heißer Schokolade (mit oder ohne Schlagsahne), als Stärkung an kalten Winternachmittagen, ist auch der "bicerin" zu kosten, eine Mischung aus Schokolade, Milch und Kaffee, der bereits im XVIII. Jh. einen Namen hatte, oder der modernere "marocchino", ein Cappuccino in kleiner Tasse mit Milchschaum und einem Schokoladenhäubchen.

Die Kuchenindustrie rühmt sich für eine andere "Antiquität": den Zabaglione, Sambajoun (im lokalen Dialekt), eine Creme aus Eigelb, Marsala und Zucker, die ihre Bezeichnung vom spanischen Klosterbruder San Pasquale Bayon erhielt, hervorragender Koch und Pfarrer der Kirche des hl. Tommaso im XVI. Jh.. Mit zabaglione werden auch die "bignole" gefüllt (mit Creme gefülltes und mit Zuckerguß überzogenes Kleingebäck), Glanznummer der Turiner Kuchenbäcker, das durch sein Mignonformat und die endlose, phantasievolle Vielfalt der Ausführung charakterisiert wird.
Zuckerplätzchen, Bonbons, Fruchtgelee und Torrone vervollständigen die Auswahl, die jeden Aufenthalt in Turin zu einem echten Attentat auf die Naschsucht macht.

Das Kapitel der Weine, Stolz der ganzen Region, würde eine weit größere und gründlichere Behandlung verdienen. Begrenzen wir uns auf die hervorragenden Punkte und unter Bezug auf die Stunde vor dem Mittagessen möchten wir daran erinnern, daß Turin die Hauptstadt des Vermouths ist, ein Aperitif, der 1786 von Antonio Benedetto Carpano als Ergebnis der Gärung des Weines mit dreizehn Bestandteilen entdeckt wurde. Er kann weiß, süß, rot, trocken und bitter sein. Die herkömmliche Sorte heißt Punt e Més, was auf lokalem Dialekt eineinhalb Punkte bedeudet: einen Punkt bitter und einen halben Punkt süß. Bei Tisch, nach dem Aperitif, befriedigt die Auswahl der Weine den anspruchvollsten Gaumen. Barolo und Barbaresco sind überall bekannt und gehören seit jeher zu der engsten Elite der Prestige-Weine der Welt. Allgemeiner jedoch hatten die Hingabe und die sorgfältige Forschung der letzten Generationen von Weinanbauern die Auslese und Wertvergrößerung einer Reihe Weinreben zur Folge, die eine hervorragende D.O.C.-Produktion (kontrollierte Herkunft) sowohl von Rotweinen (Barbera, Dolcetto, Nebbiolo, Grignolino) als auch Weißweinen (Gavi, Arneis, Favorita, Moscato) ergab.

Die großen Weine, die man auch in den zahlreichen Probier- und Weinstuben der Stadt kosten kann, werden auch zu Mahlzeiten getrunken, die außer der herkömmlichen bagna càoda (rohes Gemüse in heißer Knoblauch-Anchovis-Sauce) als spezielle Gerichte "primi" mit frischem Nudeln, sowie Fleisch und Käsesorten anbieten. Berühmt sind Tajarin, Agnolotti mit Fleischfüllung und Cappelletti (kleine Hüte), die man in speziellen Nudelgeschäften aus handwerklicher Herstellung kaufen kann. Buji (Kochfleisch) und Weinschmorbraten sind klassische Gerichte der Turiner Küche, während dagegen die Auswahl an Käsesorten sowohl für die Anzahl als die Qualität jeglichen Gourmet in Verlegenheit bringen kann: von "Tomini" zu "Robiole", und "Tume" mit unterschiedlicher Reifung. Eine Produktion, die sich zusammen mit dem nahen Frankreich um die Spitzenstellung bewirbt.

Auch die typischen Turiner Grissini sind nicht zu vergessen. Schon im Jahre 1663 wurde in einem französischen Wörterbuch das "pain long du Piémont" erwähnt. Seit jahrzehnten Zeiten sind die knusprigen grissini "stirà" bekannt, die nach einer Legende die Hauptnahrung von Vittorio Amedeo II. waren, einem kränkelnden Kind. Heute sind sie auch in der Version "robatà" käuflich zu erwerben, ein wenig härtere und nicht viel aufgengangene Brotstäbchen mit unregelmäßiger Oberfläche.

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