Das Turiner Industriesystem

Spiegel einer differenzierten und konkurrenzfähigen Wirtschaft, die in der Forschung und der Hochtechnologie ihre Stärke sieht.

 
 

Haupstadt einer der Großregionen Europas vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, ist Turin auf die große Aufgeschlossenheit ihres produktiven Systems dem Weltmarkt gegenüber stolz.
Die Turiner Industrie, die durch einen stark technischen und technologisch-innovativen Gehalt charakterisiert ist, arbeitet auf verschiedenen Gebieten: Autos, Roboter und Industrieautomatisierungen, Design, Textil, Zitrusfrüchte/Lebensmittel, Banken und Versicherungen, Informatik und Telekommunikation, Druck und Verlagswesen. Das industrielle Gewebe der Stadt besteht nicht nur aus der mechanischen Großindustrie, sondern auch aus kleinen und mittleren Unternehmen, die auf den verschiedenen Ebenen sowohl des nationalen als ausländischen Marktes arbeiten.

Geographisch und auch ökonomisch im Kreuzpunkt zweier, kontinentaler Achsen von strategischer Bedeutung orientiert Turin, dank der Einfluß der Flug-, Bahn- und Autobahnverbindunge ihren Einschluß auf Europa nicht nur als "old industrial town", sondern konzentriert vor allem ihre innovativen Bemühungen auf den fortschrittlichen Dienstleistungsebene und die globale Vernetzung, die Forschung und die technologische Entwicklung: fast 20% der nationalen Gesamtausgaben der Unternemen dieses Gebiets befindet sich im Gebiet der Turiner Metropole.

Die Lösung lautet daher "produktive Diversifizierung", die auch durch die kontinuierliche Verstärkung der Forschungstätigkeit in den verschiedenen Ebenen möglich wird, an der sich viele und verschiedene Subjekte mittlerer und großer Ausmaße beteiligen, die sowohl auf dem öffentlichen als privaten Bereich tätig sind: vom Cselt zum Centro Ricerche (Forschungszentrum) Fiat, vom Centro Ricerche RAI zum Istituto Galileo Ferraris, der Universität und der Technischen Hochschule.

Bei Betrachtung des Automobilgebietes im besonderen befinden sich neben der 1899 von Giovanni Agnelli gegründeten Fiat Gruppe- Fabbrica Italiana Automobili Torino, der wichtigsten, italienischen Industriegruppe, auch eine Reihe von Unternehmen des Komponenten- und car-designEbenes in Turin wie SKF, Dayco, Bertone, Italdesign-Giugiaro und Pininfarina.

Wichtig sind auch die Vertreter des Agrarnahrungsmittelgebietes: Lavazza in internationaler Spitzenstellung auf dem Kaffeegebiete stammt aus Turin, ein Unternehmen, das die Entwicklung von Technologie und Produkt in perfekter Weise mit der Tradition verknüpft. Heute verzeichnet das Lavazzaunternehmen, zu dem über 1600 Beschäftigte zählen, einen 45%igen Anteil des italienischen Marktes und exportiert dabei fast 30% des Produktes bei einem Umsatz von zirka 1.200 Milliarden Lire.

In der Stadt selbst oder in der nahen Umgegend haben auch bekannte Sekt- und Likörhersteller wie Cinzano, Martini & Rossi, Gancia oder Fabrikanten von Süßigkeiten wie Ferrero, Caffarel und Peyrano ihren Standort, die mit der ausgezeichneten Qualität ihrer Produkte und der großen beruflichen Erfahrung dazu beitragen, das hohe Prestige der Turiner Tradition aufrecht zu erhalten.

Der Textilebene, der auf regionalem Niveau durch Hersteller von wertvollen, in der ganzen Welt bekannten Garnen und Stoffen vertreten ist, identifiziert sich in Turin durch die Gruppe GFT, die u.a. auch die Marken Valentino, Cerruti und Ungaro herstellt. Die 1930 aus einer Vereinbarung zwischen den Familien Rivetti und Levi entstandene GFT wurde in den vergangenen 60 Jahren zu einer großen, industriellen Wirklichkeit mit 6000 Mitarbeitern (Daten des Jahres 1996) - davon über 3300 in Italien - 1650 Milliarden Umsatz, 14 werken in der ganzen Welt und 15 Millionen angefertigen Kleidungsstücken.

Auch auf dem Bank- und Versicherunggebiet sind wichtige Unternehmen herauszustellen: das Istituto Bancario San Paolo hat seinen Sitz in Turin und ist mit über 22.000 Mitarbeitern, 1200 Filialen und 1400 Bankautomaten das wichtigste Bankunternehmen Italiens. In seinem 430jährigen Bestehen leistete das Institut einen wichtigen Dienst am Wachstum des Landes, beteiligte sich am Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, unterstützte den Wirtschaftsausbau in den sechziger Jahren und beteiligte sich somit an der internen und internationalen Entwicklung des italienischen Marktes und der Unternehmen. In der piemontesischen Hauptstadt ist seit 1827 auch die Banca CRT tätig, die zweite Sparkasse Italiens mit über 380 Schalten in 8 Regionen: eine auf den Menschen zugeschneiderte Bank, die die Anforderungen der Kleinsparer und der Familien sorgfältig beachtet.

Dieses Bild wird durch die wichtigste europäische Volksbank, die Banca Popolare di Novara vervollständigt, sowie durch einige der wichtigsten, "geschichtlichen" Versicherungsunternehmen wie Sai, Toro und Reale Mutua Assicurazioni. Die dritte Versicherungsgruppe in Italien mit über 3.800.000 Kunden und einem Nettokapital des alleinigen Gruppenleiters von 1.580 Milliarden ist SAI, die seit über 70 Jahren auf dem Markt anwesend ist.

Toro Assicurazioni besteht seit über 160 Jahren und wurde 1833 durch die Patenti Regie di Carlo Alberto von den besten Leitern der Turnier Finanz, u.a. Nigra und Barbaroux, gegründet und steht an sechster Stelle der italienischen Gruppen für Umsatz und ist eine unter den ersten für die erzielten wirtschaftlichen Ergebnisse (über 1700 Milliarden Lire an Policen 1996) sowie für die finanzielle Stabilität.

Die 1828 gegründete Reale Mutua ist augenblicklich das größte Mutualversicherungsunternehmen mit über einer Million Versicherten, insgesamt über zwei Millionen Policen und ist auch in der internationalen Szene (Spanien und Frankreich) stark vertreten.

In den innovativen Bereichen wie Informatik und Telekommunikation fehlen keinesweg namhafte Unternehmen: Turin ist ein wichtiger Pol durch Firmen großen Kalibers.

Stark differenziert und namhaft sind auch die Vertreter der anderen Gebieten: Einaudi, Utet, Sei, Allemandi und Bollati Boringhieri für das Verlagwesen, die Agenturen Armando Testa und BGS für die Werbung, Robe di Kappa, Superga, Invicta für Sportkleidung, De Fonseca für das Schuhwerk, Borbonese für Lederwaren und Bekleidungszubehör.

 
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